Richtig lüften in kühlen Monaten: Tipps gegen Schimmel vom Maler
Schimmel in der Wohnung entsteht nicht einfach so. In den meisten Fällen ist er kein Zufall, sondern die Folge von zu viel Feuchtigkeit in der Raumluft. Untersuchungen der EMPA, der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt, zeigen deutlich: Rund 80 bis 90 Prozent aller Schimmelprobleme entstehen durch ungenügendes oder falsches Lüften.
Früher war dieses Problem weniger verbreitet. Alte Fenster waren nicht vollständig dicht, und dadurch konnte ständig ein wenig Luft entweichen. Moderne Gebäude hingegen sind heute aus Energiespargründen sehr gut abgedichtet. Das spart zwar Heizkosten, hat aber einen Nachteil: Feuchtigkeit bleibt im Inneren der Wohnung gefangen, wenn sie nicht bewusst nach draussen gelüftet wird.
Damit Wände im Winter trocken bleiben, hilft es, die einfache Physik der Luftfeuchtigkeit zu verstehen.
Warum werden Wände feucht?
In jeder Wohnung befindet sich Wasserdampf in der Luft. Dieser entsteht ganz automatisch im Alltag – etwa beim Kochen, Duschen, durch Zimmerpflanzen oder sogar durch unsere Atmung. Man merkt ihn nicht, aber er ist ständig vorhanden.
Das Entscheidende ist: Warme Luft kann viel mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte Luft. Man kann sich Luft wie einen Schwamm vorstellen. Solange sie warm ist, hält sie das Wasser problemlos. Kühlt sie jedoch ab, kann sie den Wasserdampf nicht mehr speichern.
Trifft warme, feuchte Raumluft auf eine kalte Aussenwand oder eine Fensterscheibe, sinkt die Temperatur an dieser Stelle. Die Luft gibt überschüssige Feuchtigkeit ab, und es entsteht Kondenswasser. Dieser Moment wird als Taupunkt bezeichnet.
Wenn solche feuchten Stellen regelmässig auftreten, wird die Wand dauerhaft belastet. Tapeten lösen sich, dunkle Flecken bilden sich und Schimmelpilze finden ideale Bedingungen, um sich auszubreiten.
Richtig lüften: kurz, kräftig und gezielt
Da moderne Wohnungen kaum noch „von selbst“ atmen, muss der Luftaustausch aktiv gesteuert werden. Die beste Methode ist das sogenannte Querlüften. Dabei werden die Fenster mehrmals täglich für wenige Minuten vollständig geöffnet, am besten gegenüberliegend, sodass ein kurzer Durchzug entsteht.
- Querlüften statt Kippen: Öffnen Sie die Fenster 3- bis 5-mal täglich für etwa 5 bis 6 Minuten vollständig. So findet ein schneller Luftaustausch statt, ohne dass die Wände auskühlen oder zu viel Heizenergie verloren geht.
- Keine gekippten Fenster im Winter: In der kalten Jahreszeit sollten Sie auf die Kippstellung komplett verzichten. Sie kühlt die Aussenwände extrem ab, was Schäden begünstigt und teure Heizenergie verschwendet.
- Sofort-Lüften: Nach dem Kochen, Baden oder Duschen sollte die feuchte Luft sofort auf direktem Weg nach draußen geleitet werden – nicht in den Flur oder andere Zimmer.
- Lüften bei jedem Wetter: Auch wenn es draußen regnet, schneit oder neblig ist – die Außenluft ist im Winter meist trockener als die warme Innenluft. Lüften lohnt sich also immer!
Um Schimmel keine Chance zu geben, braucht es nicht nur Lüften, sondern auch ausreichendes Heizen. Fachleute empfehlen im Winter eine Raumtemperatur von etwa 20 Grad. Die relative Luftfeuchtigkeit sollte dabei maximal 40 Prozent betragen, wie es auch die Norm SIA 180 vorgibt.
Wohnräume sollten angenehm warm gehalten werden, Schlafzimmer dürfen etwas kühler sein, während Badezimmer meist die höchste Temperatur benötigen.
- Wohnräume: 20 bis 21 Grad
- Schlafzimmer: 17 bis 20 Grad
- Badezimmer: 22 Grad
Ein wichtiger Tipp ist ausserdem, Türen zwischen unterschiedlich beheizten Räumen geschlossen zu halten. Denn wenn warme, feuchte Luft aus einem Wohnzimmer in ein kühleres Schlafzimmer gelangt, kühlt sie dort ab und Feuchtigkeit schlägt sich sofort an den Wänden nieder.
Schon fünf bis sechs Minuten reichen aus, um die feuchte Innenluft gegen trockene Winterluft auszutauschen. Gleichzeitig bleiben Möbel und Wände warm, weil die Lüftungszeit so kurz ist. Besonders wichtig ist das Lüften direkt nach dem Duschen oder Kochen, denn dabei entsteht sehr viel Feuchtigkeit. Diese sollte möglichst sofort nach draussen abgeführt werden, bevor sie sich in der Wohnung verteilt. Auch das Trocknen von Wäsche in Wohnräumen kann die Luftfeuchtigkeit stark erhöhen und sollte im Winter möglichst vermieden werden.
Warum gekippte Fenster im Winter schaden
Viele Menschen lassen das Fenster im Winter lange gekippt, in der Hoffnung, dadurch ständig frische Luft hereinzulassen. Doch genau das ist problematisch. Beim Kippen wird die Luft nur sehr langsam ausgetauscht, während die Wand rund um das Fenster stark auskühlt. Dadurch entsteht gerade dort besonders schnell Kondenswasser. Gleichzeitig geht unnötig Heizenergie verloren.
Deshalb gilt: Im Winter sollte man möglichst auf dauerhaft gekippte Fenster verzichten – auch in Keller- oder Nebenräumen.

